NOVA - Teil 4: Im Zentrum - Kapitel 8
“Was war das?” Mit wackligen Knien raffte Tanya sich auf, stützte sich an einer Kiste ab und blickte sich nach Thomas und Ismael um, die sich ebenfalls benommen vom Boden erhoben.
Parker hatte es nicht besser erwischt. Im Gegenteil, er wirkte noch verwirrter. In einem Anflug von Panik blickte er sich nach allen Seiten hin um, suchte nach den Soldaten, die eben noch an seiner Seite gestanden hatten.
Thomas blickte den mächtigen, ängstlichen Industriellen amüsiert an. “Auch wenn deine Schläger verschwunden sind, mach dir keine Sorgen. Wir haben andere Probleme, als dass wir dir etwas tun würden.” Mit wenigen Schritten war er an Parkers Seite und reichte ihm die Hand um ihm vom Boden auf zu helfen, sehr zu Tanyas offensichtlichem Missfallen.
“Als ob ich mir in diesem Moment über meine Sicherheit Gedanken gemacht hätte”, log Parker. “Aber ein wenig Bewaffnung hätte hier, wo oder was auch immer hier sein mag, sicherlich nicht geschadet.”
Wortlos folgten sie Ismael, der ohne lange zu zögern auf die Brücke geeilt war. Sie fanden ihn hinter seinem Pilotensitz stehend vor, erstarrt vor Überraschung, vor Schreck.
“Wo sind wir?” fragte Parker ungeduldig und drängte sich zwischen Tanya und Thomas hindurch. Dann verhielt auch er in Erstaunen.
Ismael blinzelte im Schein der großen roten Sonne über dem Horizont und blickte hinab auf ein nicht enden wollendes Feld gelb-brauner Blumen. “Sind… sind das Sonnenblumen?”
*
Die Sensoren hatten eine für Menschen ungefährliche Atmosphäre und angenehme Temperaturen bescheinigt. Nichts hatte dagegen gesprochen, dass die Vier die NOVA verlassen konnten. Und so hatten sie genau das getan und wanderten nun seit einigen Minuten durch das Blumenmeer.
Ismael kratzte sich am Kopf. “Moment, das können aber keine Sonnenblumen sein, oder? Die Sonne scheint rot, also sehen wir die Blumen in rotem Licht gelb. Also müssten sie… verdammt, welche Farbe müssten sie denn dann eigentlich haben?”
Parker lachte heiser auf und warf Ismael einen grimmigen Blick zu. “Deine Probleme möchte ich haben. Kannst du deinen offenbar leicht ablenkbaren Grips vielleicht mal auf die Tatsache konzentrieren, dass wir überhaupt in einem Feld von Blumen stehen, egal welche Farbe sie nun haben mögen?”
“Wir sind auch nicht mehr in der Zentrumsregion, denn sonst wäre es hier bedeutend heller.” Thomas blickte zu dem dunkelblauen Himmel hinauf, der bis auf den roten Riesen absolut klar war.
“Ganz zu schweigen von den Temperaturen”, fügte Tanya hinzu. “Kommt euch die Umgebung nicht auch genau richtig temperiert vor? Weder zu warm, noch zu kalt. Einfach genau richtig.”
“Danke, ich habe mir alle Mühe gegeben, für euch die richtige Umgebung zu schaffen. Es freut mich, dass ihr euch wohl fühlt.”
Die fremde Stimme ließ die Vier herumfahren. Doch wohin sie auch blickten, da war niemand.
Nach wenigen Sekunden schon kochte Parker vor Wut. Niemand spielte Spielchen mit ihm. “Wer spricht da? Zeigen Sie sich!” Wieder und wieder wirbelte Parker herum. Er fixierte einen Punkt zwischen den Blumen, an dem er meinte, etwas gesehen zu haben, eine Person, eine Bewegung, und sprintete los. Doch da war nichts. Er zerstreute Blütenblätter, schleuderte sie hoch in die Luft. Dann meinte er wieder etwas gesehen zu haben und rannte los. Direkt in Thomas’ ausgestreckte Hand, die ihn am Arm packte und herumriss.
“Parker, beruhige dich!” sprach der Apache in bedrohlich ruhigem Ton. “Wer auch immer da spricht hat sich bestimmt nicht irgendwo in diesem Feld versteckt.”
“Thomas hat Recht”, erklang die Stimme wieder. Ismael hörte genau hin, doch er konnte nicht sagen, ob es sich um die Stimme eines Mannes oder einer Frau handelte. Kurz war er sich absolut sicher, dass es das eine war, doch dann war er sofort überzeugt, das Gegenteil sei der Fall. “Mein Name ist Drinece. Und so gerne ich mich euch zeigen würde, wird mein Erscheinungsbild euch doch eher nichts sagend vorkommen. Aber ich will es gern versuchen.”
Rotes Licht überflutete das Blumenmeer.