NOVA - Teil 4: Im Zentrum - Kapitel 2

Kaum eine Stunde Fluges war vergangen, als die NOVA in den Normalraum zurückfiel. Sie erschien in der Nähe eines blauen Nebels, durch den sich ein roter Riesenstern gemächlich seine Bahn brannte.
Sie waren allein. Die Ortung zeigte keinerlei Schiffe an. Parker war ihnen also nicht auf den Fersen, sofern er dazu überhaupt noch in der Lage war. Auch Allianz und Union waren nicht in der Nähe.
“Warum ist es so still hier? Ich empfange nur schwache Signale weit entfernter Sender. Dieser ganze Sektor ist wie ausgestorben”, wunderte sich Ismael und blickte Thomas fragend an.
Der Apache erwiderte den Blick nicht, sah starr geradeaus in die Ferne. “Hier gibt es keine Lebenszeichen, weil hier niemand mehr lebt. Wir befinden uns in einem Ausläufer des ehemaligen Hoheitsgebietes der Apachen.”
Ismaels Gesicht lief schlagartig rot an. Er spürte ein unangenehmes Kribbeln am ganzen Körper. “Das tut mir Leid. Ich wollte dich nicht hierher bringen!”
“Mach dir nichts daraus, es musste ja schnell gehen. Ich wundere mich nur, dass sich noch keiner der anderen Clans hierher vorgewagt hat. Vielleicht haben sie nur Angst, dass meine Leute an etwas Ansteckendem gestorben sind.”
Ismael schwieg. Was sollte er auch sagen? Gab es irgendeinen Weg, wie er Thomas den Schmerz nehmen konnte, den er empfinden musste?
“Frag doch mal Tanya, ob sie inzwischen die Daten ausgewertet hat! Vielleicht weiß sie ja schon, wohin wir nun fliegen müssen.”
Ismael nickte stumm und verließ die Brücke. Er hatte es nicht weit, denn Tanya saß im direkt anschließenden Raum an dem hölzernen Esstisch, den Parkers Techniker unverändert gelassen hatten.
“Tanya?” Sie blickte auf, leicht erschrocken, wie Ismael fand. Sie musste sehr in die Aufzeichnungen vertieft gewesen sein. “Wir sind aus dem Hyperraum raus. Wie geht es jetzt weiter? Wohin soll ich fliegen?”
Tanya sah Ismael für einige Momente noch an, starr, ausdruckslos. Er sorgte sich um sie. Der Aufenthalt, die Gefangenschaft, auf Parkers Yacht hatte sie irgendwie verändert. Im Angesicht von Parkers drohendem Untergang war Tanya auf unheimliche Weise aufgegangen, doch seit die Flucht begonnen hatte, war sie in Stille, fast schon Apathie verfallen.
“Hier, das sind die Koordinaten.” Sie reichte Ismael ein zerfleddertes Stück Papier. Sie musste es schon vor Stunden abgerissen und beschriftet haben.
Als er auf den Zettel blickte, riss Ismael die Augen auf. “Was? Schon wieder? Das war doch echt nicht nötig!”
Mit überraschter Miene trat Thomas hinzu und stellte sich neben Ismael. “Was ist los? Wohin geht es denn?”
Missmutig verzog Ismael das Gesicht. “Na wohin wohl, ins Zentrum der Galaxis! Und diesmal sogar noch tiefer.” Er war sehr besorgt. Die NOVA war erst vor Stunden überholt worden. Wer wusste schon, welche Fehler sich eingeschlichen hatten? Und dann sollte er mit dem Schiff tief ins Zentrum der Galaxie, wo die Sonnen dicht an dicht standen und das Chaos herrschte? Dieses neue Schiff, er traute ihm noch nicht über den Weg.
“Ismael, wenn du den Kurs gesetzt hast”, sagte Tanya, so als interessierte sie seine Besorgnis kein Stück, “müsst ihr euch die Logbücher ansehen! Was auch immer da im Zentrum vor sich geht, es ist sehr beunruhigend.”

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