NOVA - Teil 3: Parker - Kapitel 3
In gelassenem Tempo schleppte das Bergungsschiff die HANNA dem PARKER-Kreuzer entgegen. Um die gewaltige Kugel herum hatte sich ein reger Flugverkehr entwickelt. Im Sekundentakt verließen Transporter ihr Mutterschiff und flogen Timmans Planet an.
Die LR-017-19 flog in einen von zwölf Tunneln ein, deren Öffnungen entlang des Äquators des Kreuzers in das Schiff hinein führten. Durch ein Fenster konnte Ismael die zahlreichen Landeplätze sehen, auf denen schwer beschädigte Schiffe lagen. Feuerwehren kämpften gegen den Brand an, der eine kleine Yacht zu verschlingen drohte. Krankenwagen fuhren im Eiltempo durch das Gewirr an Schiffen und Trümmerteilen.
Tief im Inneren des Schiffes, wo die Lage ruhiger schien, landete die LR-017-19. Hier gab es keine Brände, eilten keine Ambulanzen umher. Abseits des Landefeldes standen zwei Sanitäter mit einer Bahre.
*
Drei Soldaten blieben immer hinter Tanya, Ismael und Thomas, stets einige Schritte auf Abstand, während die Sanitäter Byrons Leichnam fortschafften.
Eine junge Frau in der Uniform der PARKER-Flotte trat zu ihnen und räusperte sich. “Ich möchte Ihnen im Namen von PARKER Industries mein Beileid für den Tod Ihres Freundes aussprechen. Möchten Sie, dass ich mich mit seinem Clan in Verbindung setze?”
“Ich werde mit den Cherokee sprechen”, antwortete Thomas. Es war das Mindeste, was er jetzt noch für Byron tun konnte.
“Ganz wie Sie möchten. Ich bin übrigens Captain Jefferson, aber Sie können mich ruhig Denise nennen. Ich bin für die Zeit Ihres Aufenthalts auf der P-HC-017 für Ihr Wohlergehen und Ihre Sicherheit verantwortlich. Ich bitte Sie, mir auf Schritt und Tritt zu folgen. Wir wollen ja nicht, dass Sie sich hier an Bord verlaufen. Wenn Sie mir nun bitte folgen wollen, Ihre Quartiere warten schon.” Mit einer ausladenden Handbewegung wies Jefferson die Richtung und blickte die drei erwartungsvoll an. Thomas ging voran.
“Wir sind keine Gäste, oder?” flüsterte Ismael dem Apachen zu.
“Nein, das sind wir ganz sicher nicht”, antwortete der Krieger fast unhörbar. ”Diese Denise mag sich noch so freundlich geben, aber achte mal auf unsere Umgebung, auf die ganz zufällig herumstehenden Wachen. Sie zeigen es uns nicht ganz offen, aber für PARKER sind wir nicht mehr als Gefangene.”
Ein tiefes Sirenengeheul dröhnte durch die Korridore des Kreuzers, dann durchfuhr ein Ruck den mächtigen Schiffskörper.
“Wir sind gesprungen”, bemerkte Ismael und wandte sich Denise zu, die überrascht stehenblieb. “Ihre Arbeit hier kann doch nicht schon abgeschlossen sein, oder? Ich meine, der Raum um den Planeten herum war vor ein paar Minuten noch ein gewaltiges Trümmerfeld.”
Denise lächelte gelassen. “Selbstverständlich nicht. Aber dieses Schiff hat im Moment Wichtigeres zu tun. Wir haben Verstärkung angefordert, die in Kürze Timmans Planet anfliegen wird. Die beschädigten Schiffe, die sich bei uns an Bord befinden, werden, sofern ihre Kommandanten es wünschen, später zurückgebracht, aber im Moment haben wir einen Auftrag von weit höherer Priorität.
“Und wie lautet dieser Auftrag?” rief Tanya aufgebracht. “Wieso nimmt PARKER uns gefangen und fliegt uns dann auf und davon? Wohin werden wir gebracht?”
Beunruhigt nahm Ismael zur Kenntnis, dass aus den Seitenkorridoren bewaffnete Soldaten herbei getreten waren.
“Das”, entgegnete Denise mit säuerlichem Tonfall, “kann ich Ihnen nicht beantworten. Weder bin ich befugt, über unser Flugziel Auskunft zu erteilen, noch ist es mir überhaupt bekannt.” Schlagartig hellte sich ihre Miene auf. “Darüber hinaus kann ich den Herren versichern, dass sie keine Gefangenen von PARKER Industries sind. Für Sie, Doktor Vallier, kann ich selbiges leider nicht behaupten. Finden Sie sich damit ab, dass Sie für die Dauer Ihres Aufenthalts hier unter ständiger Beobachtung stehen werden! Und jetzt kommen Sie bitte weiter! Nachdem ich Ihnen Ihre Quartiere gezeigt habe, gibt es Abendessen und ich weißt nicht, wie es Ihnen geht, aber ich könnte echt einen Bissen vertragen.”