Review: Elizabeth - Das Goldene Zeitalter
Mit allzu negativen Erwartungen in einen Film hinein zu gehen kann oftmals hilfreich sein. Mehrere negative Rezensionen hatten mich auf das Schlimmste vorbereitet, doch all dies war umsonst.
“Elizabeth - Die Rückkehr des Königs” enthält rückblickend betrachtet weitaus weniger Story, als man beim Zuschauen vermuten mag. Ein kleines Dreieck mit Clive Owen und einer Dienerin, Mary Queen of Scots muss sterben und die Spanier greifen an. Mehr passiert im Grunde gar nicht. Und doch sind die zwei Stunden Laufzeit gut gefüllt.
Gut, die wichtigste Frage ist eh leicht beantwortet, stellt man die Blanchett vor eine Kamera, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Schauspielerisch ist der Film in allen belangen grundsolide bis ausgezeichnet.
Die Musik ist streckenweise sehr gut, ansonsten zumindest nicht störend. Leider spielt meist in jeder Szene eine komplett andere Melodie, es gibt kein irgendwie identifizierbares Thema, so dass im Nachhinein nichts hängen bleibt. Interessant auch, dass nur wenige Szenen ganz ohne Musik auskommen.
Die wenigen offensichtlichen Effektszenen sind sehr gut inszeniert, insbesondere die Seeschlacht im Finale hätte ob ihrer Opulenz durchaus ausführlicher sein können.
Schade ist, dass das Drehbuch seinen Akteuren sehr viel Exposition in den Mund legt. Insbesondere zu Anfang pflegt man auf Spanischer Seite immer wieder im Detail zu erläutern, dass gerade die Armada gebaut wird, dass sie Elizabeth nicht mögen und, ach, dass Liebe, Freundschaft und der Geist der Weihnacht Humbug sind. Okay, nicht ganz, aber nah dran.
Prinzipiell könnte man sich also zurücklehnen und die zwei Stunden klaglos über sich ergehen lassen, hätte Regisseur Shekar Kapur diesmal nicht besonders tief in die Spielzeugkiste gegriffen. Wie bereits im ersten Teil ergeht er sich in sinnfrei seltsamen Einstellungen. Die Szene komplett aus dem Fokus drehen? Kein Problem! Die Kamera hinter einem Gitter, oder besser noch hinter einer Säule verstecken, so dass gerade noch der Kopf der gezeigten Figur zu erahnen ist? Liebend gern! Das ist zwar an sich immer mal wieder eine nette Idee, nur passen diese fast voyeuristischen Einstellungen absolut nicht zum ansonsten so grandios und makellos inszenierten Bild des Filmes.
Und dann der Schluss! Ganz am Boden der Kiste muss Kapur eine besonders dicke Pathos-Keule gefunden haben, und bei Gott, er weiß sie einzusetzen. Auch “Elizabeth und der letzte Kreuzzug” hat nun endlich eine dieser bewährten Braveheart-Ansprachen, auch wenn die Inszenierung sowie Blanchett in ihrer Art eher an Aragorn vor dem Schwarzen Tor erinnern. Die Sequenz, in der Elizabeth den Untergang der Spanischen Armada betrachtet, während der Spanische König vor einer erlöschenden Kerze betet, Elizabeths Gewand im Wind weht und die Gischt meterhoch empor schießt, während Chöre das Mark erschüttern lassen, ist dermaßen cheesy, dass es problemlos wehtut.
Doch was will man machen? Die Ränkeschmiede zu Hofe, die man den ganzen Film über beobachten durfte, die Leidenschaften und das Leid, entschuldigen gerade noch so für das überbordende Finale.
“Elizabeth - Das Imperium schlägt zurück” weiß positiv zu überraschen und ist schlussendlich durchaus sehenswert, auch wenn mit etwas Bodenständigkeit und etwas weniger zwanghaft kunstvoller Kameraarbeit viel mehr möglich gewesen wäre.