www.damot.org

Von führenden Herstellern empfohlen


Review: Der Klang des Herzens

“Die Musik geht vor.” Diesen Satz sagt Rockmusiker Louis zu Evan, einem kleinen, Gitarre spielenden Jungen, den er in New York trifft. Zu diesem Zeitpunkt weiß keiner von beiden, dass sie Vater und Sohn sind, der Zuschauer hingegen schon seit langer, langer Zeit.
Louis’ Satz fasst den Film “Der Klang des Herzens” (”August Rush”) vorzüglich zusammen. Dem geneigten Zuschauer erzählt der Film die Geschichte der Musiker Louis und Lyla, die sich Mitte der Neunziger an einem einzigen Abend gefunden und verliebt haben. Doch das Unglück nimmt seinen Lauf. Lyla hat einen strengen Vater, dem ihre Karriere über alles geht. Und nun hat Lyla auch ein Kind in ihrem Leib. Lyla und Louis werden getrennt, es kommt zu einem Unfall, Lylas Vater gibt ihren Sohn ohne ihr Wissen zur Adoption frei.
Elf Jahre später büxt der junge Evan aus dem Waisenhaus aus, um “der Musik zu folgen”. Sein ganzes Leben lang hört er überall um ihn herum Musik und ist davon überzeugt seine Eltern finden zu können, wenn er der Musik nur folgte. So gelangt Evan nach New York, wo er in die fänge von Robin Williams gerät, der den abgehalfterten Musiker “Wizard” mimt. Bei Wizard entdeckt Evan sein natürliches Talent, quasi aus dem Nichts heraus alles zu beherrschen, was mit Tönen zu tun hat, sei es Gitarre, Klavier, Orgel oder Notenpapier.
Abkürzung!
Wizard ist ein Fiesling, Evan läuft weg, Evan wird als Wunderkind entdeckt, Evan darf seine eigene Rhapsodie im Central Park aufführen, Evans Eltern haben sich irgendwann in der Mitte des Filmes von ihren jeweiligen Leben losgesagt, um sich selbst, den jeweils anderen und Evan zu finden, Musik, Zusammenkunft und Abspann.
Kommen wir zum Wesentlichen. Die Story des Films ist schlimm. Einfach schlimm. Die Haare, an denen die Story herbeigezogen wurde, müssen unendlich lang gewesen sein. Oder raspelkurz, was auch immer die negative Variante ist. Alles wirkt dermaßen gekünstelt und gestellt und gewollt, dass es keinen Spaß mehr macht. Die Dialoge sind von so absurder Dämlichkeit, dass man die Autoren am liebsten prügeln und den Schauspielern ein Eis kaufen will, weil sie diesen Mist vortragen mussten.
Weiter oben schrieb ich, dass Robin Williams “Wizard” mimt. Das ist richtig, er mimt ihn, denn bei Gott, Peer Augustinski hat zwar rein vom Klang her eine sehr ähnliche Stimme, aber auch hier liefert er nur zwei Stimmungslagen ab, den normalen Robin Williams und den wütenden/lustigen/seltsamen Robin Williams, der klingt als habe Augustinski eine Pfeife im Mund.
Positiv überraschen kann hingegen Freddie Highmore, der für einen jugendlichen Hauptdarsteller überraschend sympathisch rüberkommt. Das liegt zum Teil aber auch daran, dass seine Rolle zum keinem Zeitpunkt altklug oder sonstwie überzogen angelegt ist. Dieser Junge hat eine Mission und dieser Junge hat eine Passion. Er verkörpert den Spaß an der Musik mit Leib und Seele und das kommuniziert er vorbehaltlos gut.
“Die Musik geht vor.” Und wie! Mark Mancina hat einen wunderschönen Score geschaffen, der es schafft, dem Zuschauer die Kraft zu geben, zwanzig Minuten belanglosen Dialoges zu überstehen, nur um von mitreißendem Gitarrenspiel, unaufdringlichem Rock oder der grandiosen Rhapsodie aus dem Finale belohnt zu werden.
Allein die Musik schafft es, diesen ansonsten rührseligen und peinlich gekünstelten Streifen aus seiner selbst ausgehobenen Grube zu zerren und ihn zu einem Erlebnis zu machen, von dem ich gerne behaupte froh zu sein, es nicht verpasst zu haben.

Leave a Reply