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Review: The Golden Compass, A Major Motion Picture

Es ist nie eine gute Ausgangssituation für den Besuch einer Romanverfilmung, wenn man die Vorlage mit voller Begeisterung gelesen hat. Der Film muss fast zwangsläufig versagen. Ich kenne genug Mitmenschen, die den “Herrn der Ringe” als Buch verehren, die Filme jedoch schlecht finden, ja wenn es sein muss gar verachten, während ich den Büchern eher zwiespältig gegenüber stand und die Filme dafür umso mehr genießen konnte.
Die Verfilmung von Philip Pullmans “Der Goldene Kompass” ermöglicht auch mir endlich ein angemessenes Maß an Literatursnobismus. Um es gleich vorweg zu nehmen, es wird in den folgenden Zeilen kaum noch ein positives Wort über den Film fallen. Seit “Matrix Reloaded” hat es kein Film mehr geschafft, all die Erwartungen, die ich in ihn gesetzt hatte, in den Dreck zu treten und sein übelriechendes Geschäft darauf zu verrichten.
Schnell zu den positiven Aspekten des Filmes. Die Umsetzung der Parallelwelt, die Pullman erschaffen hat, ist geradezu perfekt. Die Computeranimationen, insbesondere die Unmengen an Dämonen, sind durchweg gut gelungen. Sämtliche Szenen, die auch nur entfernt mit Eisbären zu tun haben, sind sowohl technisch als auch erzählerisch ohne jeden Tadel.
Die Schauspieler sind allesamt gut gecastet, insbesondere die bereits mehrfach gelobte Nicole Kidman soll auch hier nicht zu kurz kommen, liefert sie mit ihrer Mrs. Coulter doch die vielschichtigste Darstellung in diesem Film ab.
Auch die Musik geht voll in Ordnung. Leider reicht es auch zu nicht mehr, denn Alexandre Desplat schafft es leider nicht, mehr als eine müde Mischung aus “Herr der Ringe” und “A.I.” anzumischen, was zwar durch die Kombination aus Fantasy und “Kind auf einer Selbstfindungsreise” durchaus stimmig ist, jedoch vermag er keine bleibenden Akzente zu setzen.
Es wäre auch ein Kunststück gewesen, wenn die Musik es geschafft hätte, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, denn bei all der Hektik bleibt sowieso keine Zeit, dass irgendetwas hängen bleiben könnte. Rastlos prescht die Handlung vor, von einem Ort zum nächsten, fertigt Kapitel um Kapitel des Romanes ab, wie es sonst nur “Harry Potter”-Verfilmungen vermögen. Und damit die 400 Romanseiten auch bitte auf 120 Skriptseiten passen, steckt in jeder Dialogzeile so viel Exposition, dass sich einem der Magen umdrehen will.

WARNING — HERE BE SPOILERS!
Es war noch weitgehend unproblematisch, dass die Handlung stellenweise arg entwirrt wurde, damit die Geschichte nur von A nach B nach C verläuft und nicht von A nach B nach A nach C. Geschenkt.
Dass das Magisterium von einer kirchlichen Organisation zu “drei alte Männer, unter ihnen Saruman, die die Welt beherrschen mit ihrer Organisation, in der jederman Nazi-Uniformen tragen muss” mutiert ist, die so klischeehaft böse ist, dass ihnen nur noch wahnsinniges Gelächter fehlte? Geschenkt.
Dass Lord Asriel von “unfreundlicher Mann, der Gott töten will” zu “kühner Recke, der das böse Magisterium bezwingen will” gewandelt wurde, und weiterhin Stanislaus Grumman nicht weiter erwähnt wurde, wodurch die Grundlage für Will im nächsten Buch fehlt? Mit viel Würgen gerade noch so geschenkt.
Aber JESUS! Ich hatte es für einen Scherz, ein Gerücht, übles Gewäsch armer Irrer gehalten, als ich las wie der Film angeblich enden sollte. Wie könnten sie den brillianten Cliffhanger des Buches über Bord werfen? Asriel tötet Roger, öffnet das Portal in eine andere Welt, verschwindet und Lyra folgt ihm. Ende. So einfach könnte es sein.
So endet der Film: Lyra liegt neben Roger, an Eisbär Iorek angekuschelt auf Lee Scoresbys Ballon. Sie hält einen kleinen Dialog darüber, wie sie Asriel finden werden, wie sie hinter das Geheimnis des Staubs kommen werden. Sie, Roger, Iorek, Lee und Serafina Pekkala. Und dann? Dann schwebt das Luftschiff an der Kamera vorbei in den Sonnenuntergang. Fade out. Abspann.
Sogar im Trailer war explizit eine Szene zu sehen, in der Lord Asriel ins Polarlicht getaucht und von Wind umweht ist, gerade so als habe er das Portal geöffnet. Doch ach, wen kümmert das schon?
Roger wird im zweiten Teil nicht sterben. Mehr noch, ich bin mir todsicher, dass vielmehr Will komplett aus der Geschichte gestrichen wird, Asriel das Portal irgendwie anders öffnet und Roger der Träger des Messers sein wird. Das Skript schreibt sich quasi von selbst und jede Zeile schmerzt.
UND SO FINDEN DIE SPOILER EIN ENDE

Kurz und schmerzlos, Finger weg von dem Film! Lest das Buch, Leute! Von mir aus leiht den Film auf DVD oder saugt ihn oder was auch immer, aber spart euch das Geld. Mit etwas Glück wird dann der zweite Teil gar nicht erst Realität werden!

1 response to “Review: The Golden Compass, A Major Motion Picture”

  1. #1. borsti on December 10th, 2007 at 9:07 am

    Ui. Oh Gott ich bin echt gespannt. Ich kann da gerade nicht mehr zu sagen…
    Kacke.

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