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Modernes Graduieren

Seit Freitag besitze ich nun offiziell einen Abschluss als BSc (hons) Internet Applications Development.

Am Donnerstag fiel Familie Teschke in Southampton ein. Das Zimmer im Southampton Park Hotel war… ich würde es “seltsam” nennen wollen. Alle Spiegel hingen konsequent etwa auf Brusthöhe, so dass konstantes Kniebeugen erforderlich war. Über die Duschabtrennung konnte ich auch bequem hinweg schauen. Wäre ich jedoch die Person gewesen, für die das Zimmer offenbar konzipiert wurde, hätte ich die Duschbrause nur durch akrobatische Höchstleistungen erreichen können. Zuckerbrot und Peitsche für Menschen aller Körpergrößen, das bietet nicht jedes Hotel!

Die Graduation an sich war angenehm straff organisiert. Das Austeilen der Bekleidung ging hurtig vonstatten und auch sonst waren alle Schritte der Anmeldung und das Durchschleusen der Menschenmassen gut geregelt.
A shitload of peopleLeider stellte sich an der Southampton Guildhall bei der Registrierung heraus, dass anscheinend jeder außer mir einen Brief mit Tickets für sich und die zugelassenen Gäste erhalten hatte. Zum Glück existierten aber Namenslisten, so dass auf Nachfrage alle Problem ausgeräumt werden konnten.

Bei der Registrierung erfuhr ich dann auch zum ersten Mal davon, dass ich den “BCS Prize 2007” erhalten sollte. Wofür? Mhm. Wann? Mhm. Mhm? Mhm!

Die eigentliche Zeremonie wurde eingeleitet von einem nur annähernd brauchbaren Blechbläserquintett sowie Werbung für Merchandising-Produkte der Uni auf einer Großleinwand.
Always with the talkingZum Glück hielten sich die bei solchen Anlässen stets gern bemühten quälend langen Reden angemessen zurück. Keine der zwei größeren Reden ging jemals über den Punkt hinaus, ab dem man den Himmel um Gnade anflehen möchte.
Nach der ersten Rede begann dann die große Viehtreiberei. Während der nächsten Stunde wurden die Studenten reihenweise aufgescheucht und einer nach dem anderen auf die Bühne gebeten. Dort wurde dann der jeweilige Name, sowie in manchen Fällen besondere Auszeichnungen, verlesen. Der genante Student hatte nun die fragwürdige, aber doch nicht zu unterschätzende Ehre, dem Kanzler der Uni, Admiral the Lord West of Spithead, die Hand zu schütteln und gegebenenfalls eine schwarze Papprolle mit der jeweiligen Sonderauszeichnung in Empfang zu nehmen.Finally

Nach der Zeremonie begann dann für mich das große Rätselraten. Immerhin hatte ich gerade einen Preis erhalten, ohne irgendwas darüber zu wissen. Mehr noch, die Papprolle enthielt nichts weiter als einen Brief mit dem Hinweis, ich hätte einen Preis erhalten.
Zum Glück stand für Preisträger im Anschluss an die Zeremonie ein Fotoshooting auf dem Programm, während dessen ich Personen mit geringfügig mehr Ahnung auftreiben konnte.
So erfuhr ich dann, dass ich angeblich die beste Durchschnittsnote in meinem Kurs hätte. Und dass in der Rolle eine Urkunde und ein Scheck stecken sollten. Und dass in der Rolle keine Urkunde und kein Scheck sein sollten, sondern mir die Unterlagen zugeschickt würden.
Am Abend öffnete ich dann zum ersten Mal den dicken Umschlag, der hinter meine Abschlussurkunde geklemmt war, und den ich bisher ignoriert hatte, fest davon überzeugt, er enthielte nur weitere Abschluss-bezogene Unterlagen. Aber nein, dieser Umschlag enthielt plötzlich die Urkunde und den Scheck, die mir zugestellt werden sollten.
Somit könnte die Sache auch fast erledigt sein, wäre die Urkunde nicht auf einen gewissen “Marc-Oliver Teschike” ausgestellt, der sicherlich viel mit mir gemein hat, aber sicherlich nicht das “i” im Nachnamen.

Den Abschlussball habe ich links liegen gelassen, da ich dort ungefähr 1% der Anwesenden gekannt hätte, und weil ich so die Gelegenheit hatte, noch einen Abend mit meinen ehemaligen Mitbewohnern zu verbringen. Was vermutlich die bessere Wahl war.

Und so endete mein einziges Jahr Universitätsstudium erfolgreich, überraschend und verwirrend zugleich. Plus, ich habe keine Ahnung mehr, was bei “Waterloo Road” eigentlich los ist.

P.S.: Aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände dauert die Beschaffung digitaler Fotografien noch bis Ende der Woche, aber sie kommen auf jeden Fall.

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