www.damot.org

Von führenden Herstellern empfohlen


Im Bus. Regen.

Ich schreibe diese Zeilen in einem Doppeldeckerbus auf dem Weg von Winchester nach London. Die Luft riecht würzig - nicht die Art “würzig”, mit der exotische Märkte des Orient beschrieben werden, sondern ein ungewaschenes, mit Bier angereichertes Harnstoff-Würzig.
Neben mir sitzt eine Dame, die seit Minuten wie besessen bemüht ist, die Fensterscheibe zu säubern, vermutlich damit sie den Regen bestaunen kann.
Mit wohligem Erschaudern nehme ich zur Kenntnis, dass einer aus dem guten Dutzend lärmender Punker hinter mir einen rekordverdächtigen Rülpser auf die Reise geschickt hat.
Kühl tropft der Regen von den Deckenleuchten auf mein Knie herab und so langsam wird es wohl Zeit, dass ich diese Geschichte mit etwas Hintergrund anreichere.
Im Februar beging ich einen der dümmsten Fehler meines Lebens: Ich bestellte ein MacBook Pro zwei Tage nachdem Steve es vorgestellt hatte.
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, ich mag das Gerät. Das Design ist unvergleichlich elegant, das Betriebssystem über jeden Zweifel erhaben.
Doch leider war das MBP nicht mit Qualität gesegnet. Erst ereilte mich ein leises Zirpen, wenn der Prozessor nicht bis zu einem gewissen Grad ausgelastet war. Nervig, aber nicht wirklich schlimm.
Dann entschied sich die Batterie, lieber eine Auszeit zu nehmen und erst einmal keine Energie mehr zu speichern. Natürlich wurde mir das Teil anstandslos ersetzt.
Doch einige Wochen bevor ich mein britisches Exil antrat stellte sich mir ein neues Problem. Ein lautes schrilles Fiepen, einem traurigen Hundewelpen nicht unähnlich, erklingt wann immer es will. Und es ist wirklich laut. Wirklich. Mein iPod bei voller Lautstärke kann es nicht vollständig aus meinem Gehörgang verdrängen.
Vor drei Wochen suchte ich den Apple Store in der Regent Street auf und klagte mein Leid. Nach zwei Wochen erhielt ich mein frisch repariertes Notebook zurück. Schon am nächsten Tag buchte ich eine erneute Reise nach London, denn der Welpe lebte noch.
Der gute Mensch an den ich diesmal geriet, fühlte sich berufen mir zu erklären, dass all die schmerzhaften Laute, die ich aus Richtung des Displays und der rechten Hälfte des Keyboard vernehme, völlig normal seien und die meisten Menschen diese gar nicht wahrnehmen. Da ich “absolutes Gehör” nicht zwingend zu meinen herausragenden Fähigkeiten zähle, will ich den guten Mann einfach mal einen Narren schelten.
Gestern nun erhielt ich einen Anruf, dass die Reparatur abgeschlossen und das Gerät zur Abholung bereit sei. Das machte mich zugleich stutzig und neugierig. Ich bin doch recht gespannt, ob sie in nicht mal einem Tag wirklich eine Fehlerdiagnose und eine Reparatur durchgeführt haben oder lieber auf den “Natürlich haben wir Ihre Hardware repariert. Wenn Sie jetzt noch etwas hören, dann sind Sie verrückt oder ein Lügner. Bis bald!”-Placebo-Effekt setzen. Ich werde es sehen.
Die Punks singen inzwischen alte englische Weisen. Ich wittere einen Plattenvertrag. Ach nein, es ist Pisse.

Leave a Reply