Blutrausch.
Ein Amoklauf ist eine schlimme Sache, keine Frage. Wenn wirklich kranke Menschen Waffen in Händen halten, kommt dabei selten etwas Gutes heraus.
Nicht annähernd so tragisch, aber dennoch unerträglich ist auch das unvermeidliche Nachspiel. Denn natürlich war der Amokläufer von Emsdetten nicht nur im Besitz von tödlichen Waffen, sondern auch von Computerspielen.
Nun ist es eine Sache, wenn in einer Expertenrunde zum Thema Gewalt in Computerspielen tatsächlich Fachleute beisammen sitzen, die Ahnung von Spielen haben und sich differenziert damit auseinandersetzen.
Wenn jedoch bei “Hart aber fair” ein Häuflein wackerer Mannen aufeinander trifft mit den alleinigen Ziel, die Jugend vom Beelzebub Counter-Strike zu befreien, dann mag sich der geneigte Zuschauer fragen, ob Frontal 21 den Sendeplatz gewechselt hat.
Ich muss gestehen, ich habe die betreffende Sendung nicht gesehen. Ich habe nur die Audiospur im “Hart aber fair”-Podcast gehört. Aber das ist kein Problem, denn keiner der Anwesenden scheint jemals wirklich Computerspiele gespielt zu haben. Freimütig wurde darüber geredet, dass diese Killerspiele verboten gehören. Um uns Unwissenden einen Einblick zu verschaffen, worum es sich eigentlich handelt wurde beschrieben was man sehen würde, spielte man Counter-Strike oder GTA: San Andreas. Dabei würde mich durchaus interessieren, welche “ab 16″-Versionen die Redaktion meinte gekauft zu haben, in denen tatsächlich Blut fließt, zerfetzte Leichen am Boden liegen oder Menschen mit Kettensägen detailgetreu auseinandergenommen werden können. Zumindest waren das nicht die Versionen, die ich gespielt habe.
Nebenbei sei noch erwähnt, dass “World of Warcraft” offenbar ein Strategiespiel und ein Kriegssimulator ist. So hat sich das zumindest ein anwesender Lehrer von einem Schüler erklären lassen.
Was genau der Sinn des Sozialarbeiters war, der offen zugegeben hat, keine Spiele zu spielen und dass sie ihn auch gar nicht interessieren, da unsere Jugend krank ist und zwangsmäßige körperliche Ertüchtigung benötigt, um sich gegen Schlägertypen wehren zu können, darüber will ich lieber gar nicht nachdenken.
Um ganz grob Bilanz zu ziehen wurde gut 50 Prozent der Sendezeit nur über die Schädlichkeit von Spielen berichtet (ein echter Spieletester kam auch zu Wort und wurde geflissentlich ignoriert) und die restliche Zeit widmete sich tatsächlich Bildungspolitik, Gewalt an Schulen, staatlichen Programmen, der Perspektivlosigkeit der Jugend etc.
Aber ich schätze, Killerspiele zu verbieten ist wohl einfacher.